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o. T., 2000
Öl auf Leinwand,
300 x 240 cm
Im Mittelpunkt der Bilder von Herbert Brandl steht die Farbe. Sie erst macht das Bild zum Bild. Der Farbe wohnen dabei fast unzählige Möglichkeiten inne. Die Pigmente, die Bindemittel, ihr Verhältnis zueinander: Klumpenbildung, Anhäufungen, Gerinsel, Lasur, Überdeckungen, Abkratzungen und deren Reste. Das Nebeneinander, Miteinander aber auch Gegeneinander der Farben bauen das Bild, schaffen einmal Harmonie, dann wieder Dissonanz. Farben schlagen Löcher in andere Farben, Farben bilden Brücken. Farben können großflächig fast einzeln stehen, Farben können aber auch Zweckgemeinschaften eingehen und gemeinsam Figuren oder Landschaften bilden.
Herbert Brandl hat aus der Geschichte der Malerei - zumindest der des letzten Jahrhunderts - ganz offensichtlich den Schluß gezogen, daß es für die Malerei keine Doktrin, keine wie immer gearteten Richtlinien geben kann. Denn immer, wenn solche formuliert worden sind, versucht wurde, zu definieren, was Malerei sei, was Malerei darf, waren andere Maler schon wieder dabei diese Grenzen zu verschieben. In keinem Jahrhundert ist die Malerei so oft gestorben worden wie im letzten. Genau so oft wurde sie aber auch wieder neu geboren.
Die Propheten der Moderne versuchten hinter diesem ewigen Wechsel von Tod und Wiedergeburt noch eine Logik zu erkennen, eine nachvollziehbare Entwicklung, die in der jeweils aktuellen Malerei mündet und diese so durch die Geschichte nobilitiert. Doch spätestens seit den 1980er Jahren, und hier liegen die Anfänge von Herbert Brandl, hat sich immer mehr die Erkenntnis durchgesetzt, daß Fortschritt und Innovation allein nicht ausreichen, um Qualität zu definieren. Dem Maler stehen heute alle Möglichkeiten zur Verfügung, er kann frei wählen, eine oder mehrere Möglichkeiten detaillierter untersuchen oder sie alle akzeptieren und je nach Bedarf einsetzen: Herbert Brandl hat es in den letzten beiden Jahrzehnten verstanden, sich immer stärker auf die Farbe zu konzentrieren und dabei deren Möglichkeiten in immer wieder wechselnden Kombinationen und spannenden Variationen zu erproben.
Wolfgang Drechsler
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