Florentina Pakosta bezieht sich in ihren trikoloren Bildern definitiv auf die Weltraumfahrten und den russischen Konstruktivismus, dessen revolutionärer Elan im Stalinismus untergegangen war. Die radikale Verneinung des Gegenständlichen sowie der Eindruck von im endlosen Raum schwebenden Strukturen erinnert tatsächlich an suprematistische Bildfindungen. Ebenso kann man in diesen Bildern aber eine vielleicht unbewusste Reaktion auf das nachgeschichtliche Universum der technischen Bilder sehen, insofern sie gleichzeitig mit der Verbreitung des Internets entstanden sind. Die Informationsgesellschaft bewirkte in der Folge durch Komputerisierung eine breite Vernetzung der Datenkanäle mit einer Tendenz zur Unübersichtlichkeit und zum Chaotischen. Außerdem äußerten sich Machtstrukturen in der Verfügbarkeit der Informationen. Diese beiden historischen Fakten, das Ende der politischen Ideologien und das Aufkommen der Informationsgesellschaft haben in der Kunst zu einer Rekapitulation des Instrumentariums und neuen Medien geführt. Florentina Pakosta spricht von ihrer inneren Emigration und meint damit die Verweigerungsgeste, welche dieser Ablehnung eines vordergründigen Illusionismus zugrunde liegt. In ihrer Malerei erfolgt die Reduktion des Formenvokabulars auf die Grundelemente von Linie, Fläche und drei, miteinander kommunizierende Farben. Der serielle Gedanke betont den objektiven Charakter der Bildanalyse. Der prinzipielle Unterschied zum früheren Umgang mit dem geometrischen Formenvokabular im Konstruktivismus und geometrischen Strömungen in der Kunst liegt darin, dass das konzeptuelle, konstruktive Prinzip des Bildaufbaus nicht offensichtlich ist. Die Serien mit aggressiven Gedankenbewegungen beruhen auf Skizzen (Abb.) mit expressiven und impulsiven Linienfiguren, die wie Blitze aggressiv die Bildfläche durchfurchen. (Aggressive Gedankenbewegung im Zusammenhang mit der Zahl 10, Teil 3, 1996) Dennoch folgen sie dem numerischen System, das im Titel wie Phasen einer Bewegung im Zusammenhang mit der Zahl 7 (Abb) oder aggressive Gedankenbewegung im Zusammenhang mit der Zahl 10 bemerkbar wird. Der Weg von der Skizze zum, in der Manier des hard-edge-painting gemalten, konstruktivistischen Bild wirkt wie die Replik Roy Lichtensteins auf den abstrakten Expressionismus in der Serie der brush stroke paintings, welche die Faktur und den Anspruch der abstrakten Expressionisten auf existentielle Authentizität widerlegten. Pakostas Gemälde sind monumentalisierte, rekonstruierte aktionistische Gesten sowie Analyse und Bemessung ihres aggressiven Gehalts. Ich arbeite mit Zahlen, weil sie ein Teil der Existenz sind, und zwar ein Teil, auf den man sich, wenn sie stimmen, verlassen kann. (Pakosta 2008)
In ihren zuletzt gemalten Bildern, die sie Schichten nennt, versperrt eine undurchdringliche, strukturlose Verdichtung von Balken verschiedener Stärke den Blick auf den, in der vorhergehenden Phase der Gedankenbewegungen sichtbaren Hintergrund, wobei die beiden dominierenden Farben die dritte anscheinend verdrängt haben (Für meine Mutter, 2006, Schichten 2008), was eine interessante Entwicklung für die Zukunft erwarten lässt. |