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| Die Vielfalt der Themenstellungen reicht vom Tier als Projektionsebene emotionaler Defizite, menschlicher Urängste, bis zum Versuchs- und Nutztier, sowie als Genpool der Forschung und Pharmaindustrie. Nachdem anscheinend die „letzten Geheimnisse“ der Natur erforscht wurden, steht der Ausbeutung der ökologischen Ressourcen durch ein expansives, globales Wirtschaftssystem, welches zum fortschreitenden Verschwinden der Artenvielfalt führt, die Infragestellung des anthropozentrischen Weltbilds durch neue Erkenntnisse der Zoologie gegenüber. Gesellschaftliche Unterdrückungsmechanismen von Frauen, Homosexuellen, Minderheiten, Farbigen und Tieren funktionieren ähnlich. Darauf beruft sich die Abwandlung des bekannten Beuys Diktums: „Jeder Mensch ist ein Künstler“ in „Jedes Tier ist eine Künstlerin“ durch Rosemarie Trockel. In diesem Diskurs stellt Angelika Vormittag der scheinbaren Objektivität des naturwissenschaftlichen Weltbilds ihren genderspezifischen, subjektiven und meditativen Umgang mit der Thematik gegenüber. Das Motiv des Hundes im Bild „Stajnel“ bedeutet eine expressive, malerische Metapher für die Verletzlichkeit der wilden, ungezähmten, undomestizierten Kreatur. Im Gegensatz zur naturwissenschaftlichen Analyse im Dienst ökologischer Ausbeutung geht es um sinnliche, intuitive Annäherung an ein Thema, mit dem sie sich durch ihr Studium der Zoologie aus dem Blickwinkel der Wissenschaft bereits auseinandergesetzt hat. Die Natur erscheint in der Bildwelt Angelika Vormittags nicht als kulturelles Konstrukt, sondern als intaktes Ökosystem oft in Gestalt einer unberührten Wildnis oder als Quelle der Inspiration in ihrem Gemälde „Im Gewächshaus“. Mensch und Tier existieren in ihrer Malerei in utopischer Symbiose (Bienenmann, Freskokatzen). Die Vision der Utopie und ihre Realisierung in der Malerei verleihen der Arbeit Vormittags eine ungebrochene Überzeugungskraft. Während am Beginn des 20. Jahrhunderts die Expressionisten in ihrer Auseinandersetzung mit Mensch und Tier auf ähnliche Weise ein unmittelbares Naturerlebnis heraufbeschworen haben – besonders ihr Motiv „Bei der roten Mühle“ erinnert an Holzschnitte und Zeichnungen der „Brücke“ - Künstler – fehlt in dieser Malerei jede Form maskuliner Visualität. Anstatt im erotischen Spannungsmoment existieren ihre Figuren durch das Loslösen und Aufgehen im Element. Ihre Druckgrafik charakterisiert ein sensibler malerischer Dialog akzentuierter Farbflächen und feinnerviger, subtiler linearer Artikulation des Gegenständlichen. Die Sensibilität des Körperlichen in der Malerei Angelika Vormittags, das Sinnliche der Maloberfläche bis zur grafischen Feinstruktur und das Gestische wirken wie eine Reaktion auf die legendäre, männlich dominierte, postmoderne Rückkehr zur Malerei durch die Neue Wilde in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts, der auch ihr Lehrer an der Akademie, Hubert Schmalix, als wesentlicher Protagonist angehörte. Malerei erscheint ihr als geeignetes Medium, die Utopie in der subjektiven, genderspezifischen Erfahrung ihrer Bildwelt als Reflexionsebene einer technologisierten und mediatisierten Realität im Sinn einer Alternative entgegenzustellen und mit neuem Leben zu erfüllen: Nature Reloaded. <zurück |
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